Trotz Endometriose Mama geworden - Mein Kinderwunschweg

Es gibt Themen, über die man nicht einfach so spricht.

Weil sie weh tun.
Weil sie Angst machen.
Und weil sie oft mit so vielen Fragen und Unsicherheiten verbunden sind.

Endometriose und Kinderwunsch ist genau so ein Thema.

Auch ich habe diesen Weg erlebt – mit vielen Zweifeln, Momenten der Hoffnung und Zeiten, in denen ich nicht wusste, ob ich jemals Mama werden kann.

Heute sitze ich hier und habe zwei wunderbare Kinder.

Und genau deshalb möchte ich meine Geschichte mit dir teilen.

Nicht, weil jeder Weg gleich ist – sondern weil ich weiß, wie gut es tut, sich nicht allein zu fühlen.

 

Mein sehr früher Kinderwunsch:

 

Mein Mann und ich sind sehr früh zusammen gekommen (ich war 15 Jahre alt und mein Mann damals 18) und niemand hätte damals je geglaubt das wir jetzt 17 Jahre später immer noch zusammen, mittlerweile ja sogar verheiratet, sind. Wir sind damals auch sehr früh (3 Jahre später) zusammengezogen, direkt aus den Elternhäusern raus.

In mir keimte ab da schon ein sehr starker Kinderwunsch. Da wir uns aber ja noch mitten in Ausbildung und eigener Findungsphase befanden, haben wir (bzw. ich) diesen erstmal unterdrückt und "verschoben". Kurz nach meinem 22. Geburtstag haben wir aber tatsächlich darüber gesprochen und entschieden: Ja wir können loslegen, mein Mann hatte mittlerweile auch den Kinderwunsch, und wir haben uns bereit gefühlt.

Also ab zum Frauenarzt und gemeinsam die Anti Babypille abgesetzt. Meine Frauenärztin hatte mich damals schon gewarnt: Es könne nach einer so "langen" Zeit der Pilleneinnahme, bis zu einem Jahr dauern bis man wirklich schwanger wird. Konnten wir gut mit leben und waren einfach voller Hoffnung und Vorfreude. 

 


 

Die ersten "Versuche":

 

Also haben wir einfach ohne Druck und ohne uns groß Gedanken darüber zu machen ganz normal weitergemacht. Die ersten Zyklen gingen vorrüber und jedes weitere Mal als meine Periode (die natürlich zu diesem Zeitpunkt noch sehr unregelmäßig kam) dann doch kam wurde ich immer enttäuschter. Ok, die Frauenärztin hatte mich ja vorgewarnt, also erstmal weitermachen. Nach dem 11. Zyklus wurde ich langsam ungeduldig und traurig. Das ein oder andere Mal hatten wir sogar schon einen Schwangerschafttest gemacht, da die Periode deutlich verspätet kam. Natürlich jedes Mal negativ. Ich war zu dem Zeitpunkt, mit meinen süßen 23 Jahren, ja auch noch ziemlich jung und hab mir deswegen trotzdem keine großen Sorgen gemacht. Wir haben es dann erstmal als "Schicksal" abgetan. Sollte wohl einfach noch nicht sein. Wir haben dann auch erstmal versucht etwas Abstand von dem Gedanken zu gewinnen und haben uns auf andere Bereiche in unserem Leben konzentriert. Nach ca 1,5-2 Jahren war meine Periode wieder vollkommen regelmäßig und ich konnte regelrecht schon die Uhr danach stellen. Und zack: Der Grund warum ich damals überhaupt mit der Pille anfing kam wieder zurück. DIE SCHMERZEN AUS DER HÖLLE!

 

Was war los?:

 

Ab da fing ich an mir Gedanken zu machen. Ich hatte das Gefühl das es alles nicht mehr "normal" war. Also betrieb ich ein bisschen Recherche und habe sehr schnell rausgefunden das SCHMERZEN während der Periode absolut NICHT normal sind! Ich habe mit meiner Frauenärztin ausgiebig darüber gesprochen. Tja was soll ich sagen, ich wurde einfach nicht ernst genommen. Typische Sätze die ich mir damals anhören durfte: 

"Ach die Schmerzen sind garnicht so schlimm, ich soll mich nicht so anstellen."

"Machen Sie sich keinen Kopf, sie sind jung, irgendwann werden sie schon schwanger."

"Vielleicht müssen Sie anfangen noch gesünder zu leben."

"Andere Frauen haben auch ihre Periode und jammern nicht so rum."

Nunja, ich mochte meine Frauenärztin leider noch nie so wirklich. Aber das war irgendwann nur noch schmerzhaft. Ich hatte ja schon über 2 Jahre versucht schwanger zu werden. Irgendwann bin ich dann, nach weiterer Recherche auf "Endometriose" gestoßen. Ich habe mich ausgiebig informiert, regelrecht jede Information aufgesaugt. Und ich wurde das Gefühl nicht los, das es in meinem Fall auch Endometriose sein könnte. Die Symptome passten einfach zu gut. Obwohl sie sehr unterschiedlich sein können.

Beim nächsten Frauenarzttermin wollte ich, mit mulmigen Gefühl, dieses Thema ansprechen. Zurecht hatte ich ein mulmiges Gefühl. Sie hat es, ohne mich wirklich anzuhören, direkt abgeschmettert.

"Ach quatsch, sie sind viel zu jung dafür."

"Das kann eigentlich garnicht sein."

"Das ist sehr selten."

Blablabla.....

Ich habe nicht locker gelassen. Nachdem ich nochmal mit Nachdruck erwähnt habe, das es nicht normal sein kann, mit fast 25 Jahren, schon fast 3 Jahre einen unerfüllten Kinderwunsch zu haben, hat sie mir wiederwillig eine Überweisung und Material für eine Kinderwunschklinik mitgegeben.  

 

Nächster Schritt: Kinderwunschklinik

 

Ich habe garnicht lange gefackelt und habe mir einen Termin in der Kinderwunschklinik Altona geben lassen. Da wir in der Anfangsphase von der Coronapandemie waren, mussten wir das "Erstgespräch" via Videocall machen. Unser Arzt war sehr freundlich und verständnisvoll. Er hat sich all meine Sorgen und Gedanken angehört. Ich war immer noch der Überzeugung das es eventuell Endometriose sein könnte. Und ja, mein Arzt war der selben Meinung und wollte es mit mir gemeinsam rausfinden.

Da Endometriose aber leider nicht so einfach festgestellt werden kann, haben wir erstmal vorher ein paar andere Dinge getestet, um zu gucken ob eventuell woanders "Probleme" bestehen. 

Also Termin über Termin: Blutabnahme hier, Blutabnahme da, mein Mann musste auch sein Sperma überprüfen lassen, Gebärmutter ausgiebieg untersucht, genauso wie die Eierstöcke, Viele Urinproben und vieles mehr. Das ganze musste ich leider, dank Corona, immer irgendwie alleine machen. Aber mein Verdacht, der Endometriose, hat sich von Termin zu Termin verstärkt. Denn mein Zyklus lief reibungslos, die Hormone waren im absoluten Normalbereich, meine Gebärmutter und auch meine Eierstöcke waren ebenfalls voll funktionsfähig, und auch Eizellen hat mein Körper genug produziert. Ja das Sperma meines Mannes war nicht das beste, aber dennoch fähig Kinder zu zeugen. 

Der nächste Schritt war also, die "Endometriose-OP". Ja denn Endometriose lässt sich leider nur durch eine Operation unter Vollnarkose feststellen. 

 

Nächster Halt: Frauenklinik an der Elbe

 

Mein Termin zur Op war relativ zügig angesetzt. Ich war aufgeregt: Hatte ich all die Jahre recht oder nicht? Was wird also bei dieser Op gemacht: In erster Linie dient sie tatsächlich zur Feststellung (Diagnose) von Endometriose. Und wenn tatsächlich Endometrioseherde gefunden werden, werden sie nach Möglichkeit auch direkt "saniert" (also verödet/entfernt). Die Erfolgschancen nach der Op Beschwerde bzw. Endometriosefrei zu sein ist sehr gering. Außerdem besteht die Gefahr das es jederzeit wiederkehren kann. Ich kenne eine Mitleidende die sich schon insgesamt 5 mal operieren lassen hat, da es sooft zurückgekommen ist. Aber ich hatte endlich Gewissheit: JA, ICH HABE ENDOMETRIOSE! 

Ich schöpfte endlich wieder neue Hoffnung. Ja ich wusste das es dennoch schwierig ist schwanger zu werden, aber nicht unmöglich. Vielleicht kennst du es auch: ich habe endlich den Grund gefunden warum es für uns so schwierig war. 

 

3 IVF Versuche und erdrückende Hoffnungslosigkeit:

 

Nach ein paar erfloglosen Übungszyklen, haben wir gemeinsam mit der Kinderwunschklinik entschieden den nächsten Schritt zu gehen: IUI (intrauterine Insemination). Meine Krankenkasse hat mir damals "erstmal" nur 3 Versuche genehmigt.

Unser Arzt und auch wir, waren wieder mal voller Hoffnung. Nach dem 1. missglückten Versuch, haben wir direkt den nächsten Zyklus den 2. gestartet. Schon beim Termin in der Kinderwunschklinik, nachdem der Arzt erstmal gecheckt hat wie die Spermaqualität meines Mannes ist, hat er uns die Hoffnung ein wenig genommen. Es gäbe eine sehr geringe Zahl an aktiven Spermien und unsere Chance sei nicht sehr hoch. Naja wir haben es natürlich trotzdem versucht.

Ich war mittlerweile 27 Jahre alt und wir hatten schon 5 Jahre unseren unerfüllten Kinderwunsch. Auch dieses mal hat es nicht geklappt. Voller Hoffnungslosigkeit und mittlerweile psychisch am Limit, hatten wir schon fast aufgegeben. 

 

Was nun?

 

Theoretisch hatten wir ja noch einen IUI Versuch vor uns. Nach meinem Gespräch mit meinem Arzt, der auch dieses mal sehr geringe Erfolgschancen gesehen hat und uns geraten hat über den nächsten und wahrscheinlich letzten Schritt nachzudenken: ICSI!

Aber auch da sah er leider trotzdem nicht so gute Chancen. Mein Arzt hatte uns jetzt schon so lange begleitet und er wollte es nicht laut aussprechen. Aber durch die Blume wollte er uns mitteilen, das wir in unserer Konstellation UNFRUCHTBAR sein könnten. 

Das war erstmal eine fette Klatsche! 

Ganz ehrlich wir hatten die perfekten Vorraussetzungen für die ICSI: wir waren im perfekten Alter, verheiratet und langer unerfüllter Kinderwunsch. Aber dennoch wäre das für uns ein ganz ganz großer Haufen Geld gewesen, welches wir hätten selbst zahlen müssen. Ich weiß das klingt jetzt erstmal sehr oberflächlich, und wer einen so großen Kinderwunsch hat, dem ist das Geld letzendlich auch egal. Ja an einem anderen Punkt unserer Kinderwunschreise, hätte ich genauso gedacht. Aber mich hat das ganze nur noch erdrückt. Ich konnte das Leben garnicht mehr genießen, geschweige denn glücklich durchs Leben gehen. Meine Psyche und Gedanken waren einfach nur kaputt. Also haben wir ALLES abgebrochen, auch den 3. IVF Versuch haben wir nicht mehr gemacht. 

Ich habe mich mit meinem Mann hingesetzt und darüber ausgiebig gesprochen. Wir hatten beschlossen erstmal komplett loszulassen, das Thema Kinder erstmal zu verschieben. Versuchen wieder Glück und Freude an unserem Leben und auch unserer Beziehung zu finden. 

2 Jahre haben wir uns gegeben: Wenn wir bis zu meinem 30. Geburtstag nicht auf natürlichen Wege schwanger werden, informieren wir uns zum Thema Adoption. Das war eine schwierige Entscheidung, aber es war die beste die wir treffen konnten!

 

Wenn man den Druck raussnimmt:

 

Wir haben so gut es geht die Konzentration auf uns, unsere Beziehung und unser Leben konzentriert. Und ja wir waren tatsächlich glücklich (auch wenn irgendwie tief im Unterbewusstsein das Gefühl da war das unser Puzzle noch nicht komplett ist).

2022 habe ich mich entschieden, meiner nebenerwerblichen Selbständigkeit mehr Raum zu geben. Also habe ich meinen Vollzeitjob gekündigt und mir einen Teilzeitjob gesucht. Während dem 1 Monat "Arbeitslosigkeit" waren wir für 1 Woche in Dänemark Urlaub machen. Als wir wieder Zuhause waren, hatte ich relativ schnell einen neuen Job gefunden und könne direkt nächsten Monat anfangen. Was soll ich sagen, ich wusste es damals nicht, aber beim unterschreiben des Vertrages, war ich schon Schwanger!

 


 

Und so trug ich, endlich nach über 7 Jahren unerfüllten Kinderwunch, mein eigenes Dänemark-Urlaubs-Wunderkind unterm Herzen! Ich konnte es garnicht glauben, es war schier unmöglich es zu realisieren. Ich habe einen Test nach dem nächsten gemacht. Alle waren positiv! Meine Periode blieb aus und ich habe einiges an Veränderungen in mir wahrgenommen. Denn ja, wer solange wünscht schwanger zu werden, kennt seinen Körper und nimmt jede noch so kleinste Veränderung war. 

Nach einer gefühlten Ewigkeit kam endlich der Termin beim Frauenarzt (natürlich habe ich meinen Frauenarzt gewechselt!) und somit auch endlich die offizelle Bestätigung: ICH WAR SCHWANGER!

TROTZ ENDOMETRIOSE!

Und weißt du, was ich heute sagen kann?

Manchmal läuft das Leben ganz anders, als wir es planen.

Manchmal fühlt es sich unfair an.
Schmerzhaft.
Und aussichtslos.

Und trotzdem bedeutet das nicht, dass es für immer so bleibt.

Ich hätte damals niemals gedacht, dass ich eines Tages hier sitze – mit zwei gesunden Kindern an meiner Seite.

Nach all den Jahren des Wartens, Zweifelns und Kämpfens.

Wenn du gerade selbst an diesem Punkt stehst:
Bitte gib die Hoffnung nicht auf.

Dein Weg wird vielleicht anders aussehen.
Vielleicht länger dauern.
Vielleicht auch steiniger sein.

Aber das heißt nicht, dass er nicht ans Ziel führt.

Und selbst wenn am Ende alles anders kommt als geplant – heißt das nicht, dass es weniger wert ist.

Ich bin unendlich dankbar für meinen Weg.
Auch wenn ich ihn mir niemals so ausgesucht hätte.

Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis:

Manchmal entsteht aus den schwersten Zeiten etwas ganz Wundervolles.

 

Eure Chaosmama Lea 

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