Wochenbett, wie ich es erlebt habe und worüber keiner spricht
Über das Wochenbett wird viel zu wenig ehrlich gesprochen.
Stattdessen hört man Sätze wie:
„Genieß die Zeit, sie kommt nie wieder.“
Und ja… ein Teil davon stimmt.
Aber ein anderer Teil?
Über den spricht so gut wie niemand.
Über Schmerzen.
Über Überforderung.
Über Schlafmangel, der dich komplett ausknockt.
Und über Gedanken, die man sich vorher nie hätte vorstellen können.
Ich habe das Wochenbett zwei Mal erlebt.
Und beide Male waren komplett unterschiedlich.
Heute möchte ich dir ehrlich erzählen, wie es für mich wirklich war –
ohne Schönreden, ohne Filter.
Für mehr Realität.
Und damit du weißt: Du bist damit nicht allein.
Wie man sich das Wochenbett vorstellt:
Ich war mit meinem ersten Kind schwanger, nach 7 sehr langen Jahren des Kinderwunsches. Während der Schwangerschaft malt man sich natürlich aus wie wundervoll die Zeit wird, wenn man endlich sein kleines Wunder in den Armen hält, viel Kuschelzeit hat und die Zeit einfach genießen möchte.
Ich hatte auch noch nicht viele Freunde in meinem Umfeld, die schon Mamas waren. Aber die wenigen die ich hatte und auch Familienmitglieder die Kinder bekommen haben, haben mir meist auch nur schönes aus dem Wochenbett erzählt.
Wie toll sie es finden das ich plane voll zu stillen und wie wunderschön die Bindung zum Baby sein wird. Und die kleinen Babys würden am Anfang ja nur schlafen und man könnte ganz viel kuscheln.
Ja, es gab auch kleine "Vorwarnungen". Ich solle mich auf Schlafmangel einstellen müssen, da Babys nachts natürlich oft wach werden und Hunger haben. Und natürlich auch ab und zu mal schreien, da sie sich ja nicht anders audrücken können. Aber alles "halb so wild"!
Meine Hebamme, hat mir vor der Geburt auch erzählt das meine Hormone und Gefühle ein bisschen durcheinander sein werden und man natürlich auch in einen Baby Blues oder eine Wochenbett Depression rutschen kann.
28.01.2023, nun war es endlich soweit. Meine Tochter kam nach 24std Einleitung, 15std Wehen, Geburtsstop und schlußendlich doch per Kaiserschnitt auf die Welt.
Erstmal war ich natürlich in einer rosaroten Blase, es war alles toll, ich habe sie auf meiner Brust liegend, natürlich auch direkt mit dem Stillen angefangen. Es war einfach nur unbeschreiblich. Da es ein Kaiserschnitt war, musste ich noch 2 Tage auf Station bleiben. Wir hatten das Glück, das wir ein Familienzimmer bekommen haben und mein Mann bei mir bleiben konnte. Wir waren noch nie glücklicher als zu diesem Zeitpunkt.
Die Realitätsklatsche:
Am 3. Tag konnten wir endlich nachhause. Zuhause angekommen, haben mein Mann und ich uns in die Augen geschaut und gesagt: "Was nun?".
Wir hatten einfach ganz plötzlich ein Mini Mensch bei uns Zuhause für das wir die volle Verantwortung trugen. Irgendwie überkam uns Ratlosigkeit und Überforderung. Wir hatten zum Glück eine Wochenbett Hebamme, die jeden Tag zu uns kam und auch immer telefonisch oder per Whattsapp erreichbar war.
Im Großen und Ganzen wussten wir natürlich was zu tun war und wir haben uns auch vorher viel belesen und mit erfahrenen Mamas gesprochen.
Zu diesem Zeitpunkt war mein allergrößtes Problem: Der Kaiserschnitt. Ich hatte ganz doll mit Schmerzen zu kämpfen und war leider auch kaum in der Lage mein Baby alleine zum stillen anzulegen oder irgendwie im Liegen/Sitzen hochzuheben. Ich konnte mich ja nicht mal vernünftig von der einen zur anderen Seite drehen. Oder Aufstehen und Hinsetzen ohne Schmerzen.
Es hat mich wahnsinnig gemacht und es hat mich verunsichert, da ich von vielen Seiten zu hören bekommen habe das, dass nicht "normal" sei. Andere Mamas hätten ja schon 3 Tage nach dem Kaiserschnitt den Haushalt geschmissen.
Mein Mann hatte Gott sei dank den ersten Monat auch Elternzeit und war bei uns Zuhause. Er hat mir bei allem geholfen, Tag und Nacht. Dafür bin ich sehr dankbar. Aber ich war trotzdem wütend, traurig und frustriert das ich nichts alleine geschafft habe.
Zu diesem Zeitpunkt habe ich gemerkt das die Hormone und Gefühle im Wochenbett noch viel Extremer sind als in der Schwangerschaft.
Zusätzlich hatten meine Tochter und ich keinen guten Stillstart. Ich hatte so heftige Schmerzen, ich konnte mir zu diesem Zeitpunkt leider keine Stillberatung leisten und musste das alles mit meiner Hebamme besprechen. Die konnte mir aber nur bedingt helfen.
Ich habe viel geweint beim Stillen, vor Schmerz und Trauer. Warum klappt es denn einfach nicht? Irgendwann fing meine Tochter auch noch an die rechte Brust komplett zu verweigern, sie brüllte und schrie bis sie an die linke Brust kam. Zwischenzeitlich musste ich aber auch abpumpen, da sie die Brust nicht richtig entleert hat oder "zulange" geschlafen hat und ich den Druck in der Brust nicht mehr ausgehalten habe. Nach 3 Wochen kämpfen, schmerzen, vielen Tränen und viel Gebrüll meiner Tochter hab ich aufgegeben und sie hat ab da an abgepumpte Muttermilch aus der Flasche bekommen.
Die nächste Sache die mich sehr verunsichert hat: Sie hat sich einfach nicht ablegen lassen zum schlafen. Klar, die ersten 2-3 Wochen schon, aber es wurde zunehmend schwieriger. Weder in ihrem Beistellbettchen, noch in ihrem Nestchen auf der Couch oder in unserem Bett. Sie hat irgendwann nur noch auf mir oder meinem Mann geschlafen.
Ich war zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht in der Lage sie in der Trage zu tragen, da es mir zu sehr wehgetan hat, sowohl in meinem Rücken, als auch an meiner Kaiserschnittnarbe. Das hat bedeutet, einer von uns (meistens ich) hat tagsüber immer mit ihr auf der Couch gelegen und sie auf der Brust oder im Arm schlafen lassen. Unser Umfeld konnte das nicht verstehen, wir selbst waren verunsichert und auch frustriert.
Im Nachhinein betrachtet empfinden wir es als normal und wünschten uns wir hätten es viel mehr genossen. Auch nachts war es zum Teil sehr schwierig, so das ganz oft einer von uns (meist im Wechsel) wach blieb, weil es uns nicht sicher genug war, dabei selbst einzuschlafen.
Dinge über die keiner spricht!
Die Hormone! Verdammt was war das für eine Achterbahnfahrt? Ich habe (tue es natürlich immer noch) so viel Liebe für dieses kleine Wesen empfunden und im nächsten Moment wollte ich sie nicht mehr aufm Arm haben. Ich wollte mit ihr kuscheln, aber gleichzeitig brauchte ich ständig eine Pause von ihr.
Ich habe so verdammt viel geweint und wusste teilweise garnicht warum, meist auch ganz plötzlich.
Die 180grad Veränderung für dein gesamtes Leben! Es war verrückt wie sich dein komplettes Leben von jetzt auf gleich komplett auf den Kopf stellt. Ich habe sehr blauäuig gedacht das ich genauso meinen Hobbies nachgehen kann wie vorher, oder das ich mich mit meinen Freunden treffen kann wie vorher und vieles mehr.
Es kam natürlich ganz anders. Ganz plötzlich dreht sich dein komplettes Leben um dein Kind. Du planst dein Alltag komplett nach deinem Kind. Ich weiß es gibt jetzt einige die sagen werden, das muss man aber nicht. Im Nachhinein würde ich es jedoch immer wieder genauso machen. Die Zeit ist schneller rum als man gucken kann.
Die Gedanken! Ich schäme mich fast für die Gedanken die ich damals hatte. Aber ich habe mittlerweile viele Mamas und auch Papas kennengelernt die gleiche oder sogar ähnliche Gedanken hatten. Hier ein paar Beispiele:
- "Ich möchte mein altes Leben zurück"
- "Warum haben wir uns nur so sehr ein Baby gewünscht?"
- "Mein Kind nervt mich"
- "Warum schreit sie nur immer so viel"
- "Ich wünschte wir hätten uns für ein kinderloses Leben entschieden"
- u.v.m.
Ich möchte eins klarstellen: Die Hormone waren schuld! NIEMALS würde ich mein Leben eintauschen wollen. Ich liebe meine Kinder. Ich war im Wochenbett (und auch drüber hinaus, das komplette erste Jahr) sehr sehr überfordert. Ich habe mir Hilfe gesuchte von meiner Hebamme, meinem Mann, Meiner Mama, Freundinnen u.s.w.
Mittlerweile habe ich diese Gedanken nicht mehr, sie haben ganz schnell nach dem Wochenbett aufgehört. Ich möchte euch diese Seite nur gerne zeigen, weil ich weiß das es ganz viele frischgebackene Mamas gibt die ähnlich denken und sich dafür schämen.
Mein 2. Wochenbett
Bei meinem Sohn (2. Kind) wusste ich natürlich schon was auf mich zukommt, es gab nur die erschwerten Bedinungen das ich ja schon ein größeres Kind Zuhause hatte und das ich nicht wusste wie mein Sohn sein wird.
Ich hatte bei meinem Sohn eine natürliche, spontan Geburt. Aber trotzdem mit Schmerzen im Wochenbett zu kämpfen, anderen aber dennoch sehr bewegungseinschränkend und schmerzhaft. Wir hatten uns dieses mal entschieden das Mein Mann ebenfalls 1 ganzes Jahr Zuhause bleibt.
Die Hormone waren auch dieses Mal krass, aber ich konnte besser damit umgehen, auch meine negativen Gedanken waren nicht so extrem und auch nicht so häufig.
Mein wichtigstes Ziel bei meinem 2. Kind: Ich möchte die Stillbeziehung hinbekommen. Wir haben gekämpft uns schlau gemacht und nicht aufgegeben. Ich konnte ihn am Ende 10 Monate voll stillen.
Bei meinem Sohn war vieles, ganz vieles so anders. Er hat sich z.b. ablegen lassen zum schlafen, aber brauchte am Anfang ewig lange zum einschlafen. Er hat manchmal 3-4 Stunden lang gebrüllt. Egal was wir versucht haben. Anders als meine Tochter wollte er alle 30-90 Minuten an die Brust (Ganze 4 Monate lang war das so) Tag und NACHT!
Im Großen und Ganzen habe ich das Wochenbett von meinem Sohn, ein wenig mehr genießen können. ABER, worüber kaum einer spricht: Die Schuldgefühle gegenüber des 1. Kindes!
Meine Tochter war sehr verständnisvoll und hat auch so gut wie keine Eifersucht gezeigt, dafür war ich sehr dankbar und liebe meine Tochter dafür umso mehr. Aber dennoch hatte ich so viele Schuldgefühle, weil ich nicht mehr so für sie da sein konnte wie vorher und sie ganz oft hinten anstehen musste.
Obwohl wir immer versucht haben das sie nicht das Gefühl hat, das wir für sie keine Zeit mehr hätten. Da wussten wir aber leider noch nicht wie unser "Schreibaby" uns an unsere emotionalen Grenzen bringen kann.
Ich glaube wir haben es aber ganz gut gemacht und unsere Kinder lieben sich sehr. Beide sind sehr glücklich und wir finden uns jetzt 1 Jahr nach der Geburt des 2. Kindes so langsam in unseren Alltag mit 2 Kindern ein.
Wenn ich heute auf beide Wochenbettzeiten zurückblicke, dann denke ich mir:
Krass, was wir da eigentlich leisten.
Körperlich.
Emotional.
Mental.
Und trotzdem wird oft so getan, als wäre das „halt einfach nur die erste Zeit mit Baby“.
Nein.
Das Wochenbett ist eine absolute Ausnahmesituation.
Für deinen Körper, deine Hormone und dein ganzes Leben.
Und egal, wie dein Wochenbett aussieht oder ausgesehen hat:
👉 ob du es genießt
👉 ob du nur überlebst
👉 ob du zwischendurch zweifelst
👉 oder ob du dich selbst kaum wiedererkennst
Alles davon darf da sein.
Du bist keine schlechte Mama, nur weil du nicht jede Sekunde liebst.
Du bist nicht undankbar, nur weil du überfordert bist.
Und du bist definitiv nicht allein mit deinen Gedanken.
Ich hätte mir damals gewünscht, dass mir das jemand genau so sagt.
Deshalb sage ich es heute dir.
Und vielleicht liest das hier gerade genau die Mama, die das hören musste ❤️
Eure Chaosmama Lea








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